Die Tücke der Erwartungen – Oder: Warum Enttäuschungen vorprogrammiert sind

Mädchen küsst FroschEs gibt zwei Varianten der Erwartungshaltung, die Vermutung und den Anspruch. Und mit beiden haben wir so unsere Probleme. Wir buchen beispielsweise einen Urlaub in den sonnigen Süden und vermuten, dass wir tolles Wetter haben. Da unsere Ansprüche an die Unterkunft hoch sind, haben wir ein 5 Sterne Hotel gebucht. Wir landen und ab da erwartet uns Dauerregen und das tolle Hotel liegt an einer viel befahrenen Hauptstraße. Wir lagen also sowohl mit unserer Vermutung als auch mit unserem Anspruchsdenken falsch. Und das macht schlechte Laune.

Wir alle haben Erwartungen, wie unser Leben sein soll und wie sich Menschen darin verhalten sollen. Wir erwarten, dass unser Partner an unseren Geburtstag denkt, die Kinder im Haushalt mithelfen, die Kollegen hilfsbereit sind, wir erwarten, dass der Bus pünktlich kommt, die anderen Autofahren uns Platz machen und das das Wetter sich an den Wetterbericht hält. Selbst von der fremden Kassiererin im Supermarkt erwarten wir auch spät abends noch ein umwerfend freundliches Lächeln.
Wir erwarten also, dass sich etwas oder jemand in einer bestimmten Art und Weise verhalten oder entwickeln soll. Kommt es aber anders, reagieren wir mit Enttäuschung und Ärger. Psychologen bezeichnen das als normative Erwartung und halten es für einen unreifen Abwehrmechanismus. Für uns geht mit einer nicht erfüllten Erwartungshaltung aber schlichtweg die Welt unter.

Vorsicht vor zu hohen Erwartungen

Wer Erwartungen an andere hat, glaubt meist, ein Anrecht darauf zu besitzen. Sie haben eine schwierige Aufgabe gemeistert und erwarten ein anerkennendes Lob von Ihrem Boss. Doch diese Erwartung ist nur Ihr Wunsch. Sie haben keinen Rechtsanspruch auf die Erfüllung. Andere Menschen haben ebenfalls Erwartungen, auch an Sie. Ihr Chef erwartet, dass Sie die schwierige Aufgabe meistern, auch ohne Lob, dafür hat er Sie ja eingestellt. Die meisten Menschen haben Erwartungen an andere und glauben, sie seien völlig normal und gerechtfertigt. Wir wünschen uns unser Gegenüber mal geduldiger oder aktiver, selbstbewusster oder weniger selbstbewusst, sexuell auf- oder zugeschlossener, je nach unseren augenblicklichen Bedürfnissen. Es handelt sich aber immer nur um unsere Vorstellung, wie etwas zu sein hat. Ich tue dem anderen Unrecht mit meinen Erwartungen, die dieser nicht erfüllen kann. Wir alle haben auch schon viele Erwartungen anderer enttäuscht, ohne es auch nur im Geringsten böse zu meinen.

 Enttäuschung ist das Ergebnis falscher Erwartungen

In all diesen Beispielen sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Denn kein Mensch ist wie der andere und niemand reagiert genauso wie wir das wollen. Es sind immer unsere Erwartungen, die es anderen und damit uns schwer machen. Zu hohe Erwartungshaltungen müssen unweigerlich zu Enttäuschungen führen. Wissenschaftler haben längst bestätigt, dass unrealistische Erwartungen das Risiko von Depressionen und Angsterkrankungen erhöhen. Statt anderen unsere Schablone über zu stülpen und zu erwarten, dass sie ihr entsprechen, wäre es besser, unsere Wahrnehmung zu schulen.

Denn ganz ohne Erwartungen kommen wir nicht aus, besonders im Berufsleben können wir uns ihnen nicht entziehen. Wer beispielsweise in einer Bank arbeitet, von dem wird eine gewisse Kleiderordnung erwartet.Das Bewusstsein über unsere Erwartungen verhilft uns aber dazu, unbewusste Ansprüche zu erkennen. Wenn wir unsere Erwartungen als unsere Wünsche enttarnen, können wir Menschen akzeptieren, wie sie sind, mit Ihren Fehlern und Unzulänglichkeiten. Wir brauchen nicht länger enttäuscht, frustriert oder verändert zu sein. Denn unsere Erwartungen sind nur unsere Vorstellung, wie etwas zu sein hat, nicht mehr! Das geht nicht von heute auf morgen, es braucht eine Menge Zeit. Aber dann können wir unsere Erwartungshaltung anpassen, dann wissen wir, dass es nur ein Wunsch ist, auf dessen Erfüllung wir keinen Anspruch haben.

 Typische Methoden einer fordernden Erwartungshaltung

    • Vorwürfe
    • Demonstratives Leiden
    • Erpressung
    • Intrigen
    • Trennungsdrohungen
    • Liebesentzug
Bildnachweis: ©Aamon-Fotolia.com

2 Comments on “Die Tücke der Erwartungen – Oder: Warum Enttäuschungen vorprogrammiert sind

  1. Dankeschön für diesen wunderbaren Beitrag. Es gibt ein paar Zitate, die ich hier gern einbringen möchte zum Thema „Erwartungen“:

    „Das größte Hindernis des Lebens ist die Erwartung, die vom Morgen abhängt.“
    Seneca, Vom glückseligen Leben

    „Das worauf es im Leben am meisten ankommt, können wir nicht voraussehen. Die schönste Freude erlebt man immer da, wo man sie am wenigsten erwartet hat.“
    Antoine de Saint-Exupéry, Wind, Sand und Sterne

    „Habe Wünsche, habe Träume, habe Hoffnungen, doch ohne Erwartungen.
    Dann erlebst du vielleicht Wunder – und keine Enttäuschungen.“
    Tina Marmulla, Essen
    🙂

    • Vielen Dank für das nette Kompliment und vor allem für die sehr schönen Zitate, die so wundervoll passen.

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