Sich verlieren im Augenblick…

Stuart Miles at FreeDigitalPhotos.netKennen Sie das noch, als Kind haben Sie stundenlang vor einem Käfer gesessen und ihn bis ins Detail studiert oder waren so im Spiel versunken, dass sie alles um sich herum vergessen haben. Sich verlieren im Augenblick, ohne Langenweile oder schlechtes Gewissen, Kinder können das. Als Erwachsene haben wir leider verlernt, im Moment zu verweilen. Viel zu häufig verfangen wir uns in Gedanken an die Vergangenheit oder Sorgen vor der Zukunft. Und dabei versäumen wir das Glück des Augenblicks.

Als Erwachsene haben wir völlig vergessen, wie es sich anfühlt und mit welchen Glücksgefühlen es verbunden ist, den Augenblick zu genießen und haben damit ein gutes Stück Lebensfreude verloren. Im Moment zu leben bedeutet, dem, was um uns herum und in uns geschieht bewusst die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Also alle Sinne und Gedanken auf dessen Wahrnehmung und Genuss auszurichten. Den Moment zu achten, unabhängig von Raum und Zeit. Das heißt aber nicht, sich keine Gedanken über die Zukunft zu machen oder unverantwortlich zu handeln.

Die meisten Menschen sind aber mit Ihren Gedanken meist weit voraus, setzen sich mit zu erwarteten Schwierigkeiten auseinander, obwohl sie überhaupt nicht wissen, ob diese je eintreffen. Sie spielen verschiedene Szenarien im Geiste durch, und stellen später fest, dass alles ganz anders gekommen ist. Andere leben nur in der Vergangenheit und spulen Geschehenes immer und immer wieder vor ihrem inneren Auge ab. Sie grübeln, was sie hätten besser machen können oder ärgern sich darüber, etwas nicht getan zu haben. Doch die Vergangenheit lässt sich nicht mehr verändert.

Und weit verbreitet ist der Irrglaube, multitaskingfähig zu sein hätte Vorteile. Wer alles gleichzeitig tun will, macht mehr Fehler. Neue wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass der Mensch gar nicht in der Lage ist, erfolgreich mehrere Dinge auf einmal zu tun. Das Gehirn sei der Doppelbelastung nicht gewachsen. Man verplempere sogar Zeit, da Fehler wieder ausgebügelt werden müssen.
Ob Sie Autofahren, Radiohören und gleichzeitig Ihre To-Do-Liste planen, oder ob Sie Essen und dabei einen Krimi schauen, irgendetwas bleibt immer unbeachtet und somit auf der Strecke.

Das richtige Maß finden

Tatsächlich lebt niemand immerzu im Hier und Jetzt. Wir brauchen natürlich unsere Erinnerungen aus der Vergangenheit und die Erfahrungen daraus. Sich an „die guten alten Zeiten“ zu erinnern tut unserer Seele gut. Und würden wir uns nicht immer wieder an unsere Erfolge zurück erinnern, hätten wir kein Selbstbewusstsein und kein Vertrauen in die Zukunft. Und genauso müssen wir als Menschen vorausplanen für die Zukunft. Um ein Essen mit allen Sinnen genießen zu können, muss es schließlich erst einmal geplant und eingekauft werden. Wir müssen über die Zukunft nachdenken, über Job, Familie, Rente. Wir können also nicht immerzu im Augenblick verweilen.

Den Moment genießen zu können, bedeutet auch eher eine gesunde Balance zu finden, ein Maß, das nicht frustriert, sondern hilft. Zwischendurch immer mal achtsam sein, auf das was da gerade passiert. Eine offene Haltung gegenüber allem, was man im Augenblick wahrnimmt und sich nicht ablenken lassen. Sich ganz auf den Moment einlassen, auf das was wir jetzt gerade spüren, sehen, hören, riechen oder schmecken, ohne einen Gedanken an etwas anderes zu verschwenden. Innehalten und bewusst einlassen auf das, was gerade da ist, das ist Achtsamkeit. Ob Sie sich nun gerne in der Vergangenheit aufhalten oder sorgenvoll in die Zukunft schauen, Versäumen Sie nicht den Augenblick, den Moment den Sie wirklich beeinflussen könnten, wenn Sie ihn nur wahrnehmen würden.

Schärfen Sie Ihre Sinne

ID-100146023 - Feelart at FreeDigitalPhotos.netBei den meisten Menschen stumpfen die Sinne mit zunehmendem Alter ab, aber es gibt immer Möglichkeiten, die Sinne zu schärfen. Nehmen Sie sich täglich einige Minuten Zeit. Sie werden erstaunt sein, wie sich nach regelmäßigem Üben die Wahrnehmung intensiviert hat. Sie werden Vertrautes wieder vollkommen neu erleben und das steigert die Lebensfreude garantiert.

Übersehen Sie nichts:

Achten Sie zum Beispiel morgens auf dem Weg zur Arbeit auf die Umgebung. Nehmen Sie die unterschiedlichen Farben der Gebäude wahr oder bemerken Sie, wo sich das Sonnenlicht spiegelt. Oder wählen Sie eine Farbe und finden alle Gegenstände in diesem Ton. Schauen Sie sich eine Blume mal wieder richtig an, wie sehen die Blätter aus? Achten Sie auf das Farbenspiel der Blüte. Lassen Sie Ihren Blick schweifen und realisieren Sie, was um Sie herum passiert.

Der Ton macht´s:

Öffnen Sie Ihr Fenster und lauschen Sie. Was hören Sie? Ist es Vogelgezwitscher oder Verkehrslärm? Ein Flugzeug, eine Autohupe, Hundegebell? Hören Sie genau hin. Wie hört sich Ihre Wohnung an? Brummt der Kühlschrank, knackt der Dielenboden, oder hören Sie Ihre Nachbarn streiten?
Hören Sie ein Musikstück und versuchen Sie, die verschiedenen Instrumente zu erkennen. Oder gönnen Sie sich mal ein Klangschalenkonzert.

Die Nase fordern:

Benutzen Sie die Küche als Einstieg, sie ist eine wahre Fundgrube, wenn es um Gerüche geht. Wissen Sie wie Zucker riecht? Oder eine Scheibe Brot mit Marmelade? Erschnüffeln Sie die unterschiedlichen Gemüse und Obstsorten. Oder machen Sie ein Gewürz-Quiz und erschnüffeln mit verbundenen Augen die einzelnen Gewürze. Auch das Badezimmer eignet sich hervorragend durch die verschiedenen Duschgels und Cremes.

Apfel oder Birne:

Testen Sie Ihren Geschmackssinn: verbinden Sie sich die Augen und schmecken Sie los. Obst, Gemüse oder verschiedene Käsesorten, erlaubt ist, was gefällt. Laden Sie Freunde ein und machen Sie ein Spiel daraus. Oder probieren Sie eine neue Eissorte oder ein neues Rezept und konzentrieren Sie sich ganz auf den Geschmack, lassen Sie sich beim Kauen Zeit und versuchen Sie bewusst, die verschiedenen Aromen zu schmecken. Beginnen Sie Ihren Tag mit einer Tasse Kaffee oder Tee? Dann trinken Sie ihn mit geschlossenen Augen und lassen die Aromen auf sich wirken.

Beweisen Sie Fingerspitzengefühl:

Die Haut ist sehr empfindsam und damit einer der Sinne, die am einfachsten trainiert werden kann. Ertasten Sie die unterschiedlichen Strukturen, Beschaffenheit und Form einzelner Gegenstände in Ihrer Wohnung. Wie fühlt sich Ihre Tapete an? Oder die Maserung Ihres Schrankes, ihre neue Seidenbluse, wie liegt die Fernbedienung in der Hand? Auch mit den Füßen kann man fühlen, gehen Sie mal wieder barfuß. Spüren Sie den Boden unter Ihren Füßen. Wie läuft es sich auf Teppich, Parkett oder Fließen? Be-Greifen Sie, ohne zu sehen. Also Augen verbinden und durch die Umgebung tasten.

Bildnachweis: Stuart Miles at FreeDigitalPhotos.net / Feelart at FreeDigitalPhotos.net

One Comment on “Sich verlieren im Augenblick…

  1. Ja genau. Endlich mal jemand, der nicht sagt, dass man ständig im hier und jetzt sein soll. Geht ja auch gar nicht. Niemand kann permanent nur in der Gegenwart leben.
    Ich hab tatsächlih mal eine neue Eissorte probiert, nachdem ich eigentlich immer die gleichen sorten esse. Hat sich gelohnt!
    Danke für den Tipp.

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