Kennen Sie den Priming-Effekt?

 Jeder hat schon mal erlebt, dass Worte, Bilder oder Musik eine bestimmte Stimmung bei uns auslösen. Aber warum ist das so? In den meisten Fällen handelt es sich dabei um den Priming-Effekt. Und den kann man prima nutzen, um sein Verhalten gezielt zu beeinflussen und seine Ziele leichter zu erreichen.

Wenn unbewusste Assoziationen unser Handeln beeinflussen

Priming ist ein Effekt, der in unserem Gehirn stattfindet. Ein äußerer Reiz, wie etwa Musik oder ein Geruch, beeinflussen dabei unser Denken und Handeln bei einer darauf folgenden Reaktion. Diese sanfte Beeinflussung läuft in der Regel allerdings unbewusst ab.
Begriffe wie „Urlaub“ und „Freizeit“ lösen andere Assoziationen aus als die Begriffe „Zahnarzt“ und „Steuerprüfung“. Die einen wirken entspannend, die anderen lösen eher ein Unwohlsein aus.

Doch beim Priming sind nicht nur Begriffe assoziativ verknüpft, sondern auch Gefühle und körperliche Reaktionen wie Mimik oder Gestik verändern sich bei entsprechenden Primes. Ein Lächeln wirkt anders als ein angespanntes Gesicht und ruft unterschiedliche Emotionen hervor. Bei Musik haben wir wahrscheinlich alle schon einmal diesen Effekt feststellen können. Gefühlvolle Balladen versetzen uns in eine romantische Stimmung während Heavy Metal oder Techno eher aufpeitschen. Und wenn wir uns einen Krimi ansehen, vermuten wir eher hinter jedem Knarren in der Wohnung einen Einbrecher, als wenn wir einen romantischen Film gesehen hätten.

Wir alle ticken nach festen Regeln, die wir für uns nutzen können

 Die Wissenschaftler Ad van Kippenberg und Ap Dijksthuis von der Universität Amsterdam machten dazu ein Experiment mit Studenten. Eine Gruppe sollte sich vorstellen, wie es wohl sei, Professor zu sein. Sie sollten sich dazu ihre Gedanken fünf Minuten lang notieren. Die andere Studentengruppe sollte aufschreiben, wie es sei, ein Fußballrowdy zu sein. Dann mussten beide Teams 42 Trivial-Pursuit-Fragen beantworten. Die Gruppe, die sich als Rowdies gesehen hatte, konnten nur 18 Fragen beantworten. Die Gruppe der vermeintlichen Professoren schnitten mit 23 beantworteten Fragen deutlich besser ab.

Der Sozialpsychologe John A. Bargh von der Yale Universität ließ in einem Experiment Versuchspersonen in einem Sprachtest Sätze ergänzen, angeblich um das Vokabular zu testen. Eine Gruppe bekam dabei einen Test, der Wörter rund um das Thema „Alter“ enthielt.
Bargh untersuchte allerdings nicht die sprachlichen Fähigkeiten der Teilnehmer, sondern untersuchte die Frage, wie lange sie nach dem Test für den Gang durch einen langen Flur benötigten. Die Gruppe, die sich mit dem Alter beschäftigt hatten, ging bedeutend langsamer als die Vergleichsgruppe mit den neutralen Wörtern. Nur aufgrund der Begriffe rund ums Alter bewegten sich die Teilnehmer also wie ein alter Mensch.
Beide Experimente zeigen, dass unsere Gedanken und Assoziationen einen starken Einfluss auf unser Handeln haben. Dies geschieht zum allergrößten Teil allerdings unbewusst.

So funktioniert Priming

Wenn man weiß wie Priming wirkt, kann man diesen Effekt wunderbar für sich einsetzten. Sich sowohl bewusst, aber eben auch unbewusst immer wieder an die eigenen Ziele zu erinnern, fördert die Selbstmotivation. Priming-Prozesse können Ressourcen aktivieren, die mehr Kraft und Zuversicht verleihen. Wenn Profisportler beispielsweise bestimmte Rituale durchführen, erinnern sie sich so unbewusst an vergangene Leistungen. Das Erinnern hilft, das Zutrauen in die eigene Leistungsfähigkeit zu steigern. Auch ein Bild Ihrer Liebsten auf dem Schreibtisch erinnert unbewusst an Positives und gibt dadurch Kraft. Jeder Blick auf Dinge, mit denen wir positive Assoziationen verbinden, schafft positive Gefühle und das lässt uns positiver handeln.

Wenn Sie ein bestimmtes Ziel verfolgen wollen, dann schaffen Sie sich ein visuelles Bild von Ihrem Ziel. Stellen sich vor, dass Sie es schon erreicht hätten und wie Sie sich dabei fühlen würden. Dieses Gefühl sollte so intensiv wie möglich gefühlt werden. Unterstützen Sie sich bei diesem Prozess mit einem Symbol, das für Sie eng mit Ihrem Ziel verknüpft ist. Das kann ein Bild sein, ein Schlüsselanhänger, ein Hintergrundbild für Ihren PC, ein Duft, ein Lied oder ein Schmuckstück. Wichtig dabei ist, dass das Symbol für Sie emotional mit Ihrem Ziel verknüpft ist. Und wann immer Sie dann Ihr Symbol sehen, gibt es Ihnen die nötige Kraft, Ihr Ziel zu erreichen.

Wenn Sie beispielsweise mehr Lebensfreude erfahren wollen, bedeutet das, das ein Lächeln reicht um den Priming-Effekt auszulösen.
Erinnern Sie sich an einen glücklichen Moment Ihres Lebens, lächeln Sie, und schon stellt sich ein zufriedenes Gefühl ein. Damit lässt sich zum Beispiel ein stressiger Moment verschönern. Das hält zwar nicht stundenlang, aber Sie können es ja so oft Sie wollen wiederholen, der Effekt ist auf jedenfalls deutlich spürbar.

Bildnachweis: cooldesign at FreeDigitalPhotos.net

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.