Lebensfreude steigern – eine Sache des Kopfes

Stuart Miles at FreeDigitalPhotos.netStellen Sie sich auch manchmal die Frage, wie Sie glücklicher werden können? Dass passiert meist, wenn wir nicht mehr wissen, wo uns der Kopf steht. Wenn uns Job und Familie so in Beschlag nehmen, dass keine Zeit mehr für uns selbst übrig ist.
Aber wo bleibt da die Freude? Neben all den Verpflichtungen, soll das Leben trotzdem Spaß machen. Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag, wusste schon Charlie Chaplin. Es gibt zwar keine Zauberformel für Glück, aber Lebensfreude kann man lernen. Lesen Sie, wie das geht.

Was hält uns davon ab, glücklich zu sein?

Dank der Glücksforschung wissen wir, dass jeder sein persönliches Glück beeinflussen kann. Es steckt zwar zu 50 Prozent in unseren Genen und zu 10 Prozent wird es von Lebensumständen beeinflusst, auf die wir keinen Einfluss haben, aber auf die restlichen 40 Prozent können wir einwirken. Glück ist zwar subjektiv, jeder verbindet etwas anderes damit. Trotzdem gibt es Faktoren, die zu einem glücklichen Leben beitragen. Und da sind sich alle Glücksforscher einig, dass vereinfacht ausgedrückt, Glück mit einer offenen positiven Grundeinstellung dem Leben gegenüber zu tun. Wir können also etwas tun für unser Glück.

Viele Menschen glauben aber, sie müssten erst dies oder das erreichen, bevor sie glücklich sein können. Für sie gehören Geld, teure Autos, Immobilien oder Reisen zu einem glücklichen Leben. All das hebt zwar die Stimmung, aber nur für eine kurze Zeit. Danach sinkt die Zufriedenheit auf das ursprüngliche Niveau. Schnell stellt sich ein Gefühl des „noch mehr haben wollens“ ein. Geld beeinflusst unser Glück aber kaum. Sobald eine gewisse Grundversorgung gewährleistet ist, hat es keine Auswirkungen mehr auf unsere Zufriedenheit.

Und entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass schöne, reiche oder sportliche Menschen glücklicher wären, hat auch das keinen Einfluss auf unser subjektives Wohlbefinden. Wer mit sich zufrieden ist, achtet nur einfach mehr auf sich und strahlt Angenehmes aus und wird deshalb von andern als schöner und erfolgreicher beurteilt. Wir können uns auch nicht vornehmen, wenn dieses oder jenes eingetreten ist, dann wären wir glücklich. Laut Daniel Gilbert, Glücksforscher an der Harvard University, ist Glück nicht planbar. Glück stellt sich quasi als Nebeneffekt eines zielbewussten Lebens ein. In der Forschung ist Glück definiert als eine Lebenszufriedenheit mit dem gesamten Leben. Man kann nicht irgendwann glücklich sein. Es passiert immer im Augenblick des Geschehens.

Finden Sie heraus, was Ihr Glück sabotiert

Werfen wir einen Blick darauf, was unser Glück trüben kann. Meist sind es bestimmte Situationen oder Verhaltensweisen anderer, die uns ärgern. Der pedantische Kollege beispielsweise oder der Partner, der uns mit ungeliebten Gewohnheiten nervt. Jeder hat da so seine eigenen Auslöser.
Sobald etwas anders läuft als wir es erwartet haben, erzeugt das schon negative Gefühle. Und in die steigern wir uns gerne hinein. Dabei spielt es keine Rolle, was uns ärgert, nervt oder stresst. Es kommt auf unsere Beurteilung der Situation an. Halten wir sie für weltbewegend, werden wir viel Energie in sie stecken. Erkennen wir aber, dass es sich nur um Kleinigkeiten handelt und es unsere eigenen Gefühle sind, die uns da in die Quere kommen, entziehen wir der Situation die Energie.

Häufig sind wir auch einfach nur Unzufrieden, weil wir nicht wissen, was wir eigentlich wollen. Wollen wir ein schnelleres Auto fahren oder uns doch lieber für den Umweltschutz engagieren. Wollen wir den tollen Job oder doch lieber mehr Zeit mit der Familie verbringen. Wollen wir Tiere schützen oder sie lieber weiter essen. Wollen wir allabendlich das Glas Wein oder doch lieber die Bikinifigur, von der wir schon so lange träumen.
Und weil wir nicht wissen, was wir eigentlich wollen, sind wir unzufrieden. Und diese Unzufriedenheit blockiert uns so sehr, dass wir jegliche Entscheidungen aufschieben.

Eine weitere wichtige Eigenschaft die uns am Glücklich sein hindert, ist das Festhalten an Vergangenem, an belastenden Situationen. Wer Konflikte loslassen kann, findet schneller einen Weg wieder heraus. Häufig halten wir aber an Krisen fest, durchleben sie immer und immer wieder. Und rufen dadurch auch unangenehmen Gefühle wie Ärger, Wut oder Trauer hervor. Ob wir etwas als Problem oder als Chance wahrnehmen, ist lediglich das Ergebnis der eigenen Denkweise. Wer über Probleme nur grübelt und sich immer wieder fragt „Warum musste mir das passieren?“, wird schwerlich eine Antwort finden. Je schneller wir aber akzeptieren, dass sich die Situation nicht mehr verändern lässt, desto leichter können wir aufhören, gegen sie anzukämpfen und sie loslassen.
Wenn wir das erkennen, sind wir offen für mögliche Lösungen und können unseren Blick wieder nach vorne richten. Auf etwas Positives, was gut läuft in unserem Leben, anstatt auf das, was nicht funktioniert oder fehlt. Wer sich Positives in Erinnerung ruft, lässt sich von negativen Erlebnissen nicht so schnell aus der Bahn werfen.

Die Glücksfaktoren

Glück ist definiert als subjektives Wohlbefinden. Es entwickelt sich unser Leben lang und wir empfinden es, wenn sich eine gewisse Zufriedenheit in allen Lebensbereichen einstellt. Die Glücksforschung hat die entsprechenden Glücksfaktoren identifiziert:

  • Stabile familiäre Beziehungen und ein unterstützendes soziales Umfeld
  • Psychische und physische Gesundheit
  • Persönliche Freiheit
  • Eine befriedigende Arbeit
  • Die eigene Lebensphilosophie, unsere gelebten Werte
  • Ausreichendes finanzielles Einkommen

Wenn wir in allen Bereichen zufrieden sind und mehr angenehme als unangenehme Emotionen haben, dann stellt sich ein Gefühl des Glücklich seins ein. Eine amerikanische Studie fand beispielsweise heraus, dass Verheiratete glücklicher als Menschen mit einem festen Partner, Singles, Verwitwete oder Geschiedene sind. Liebesbeziehungen seien zwar keine Garantie für ein glückliches Leben, aber die wichtigste Quelle für unser Glück und Wohlbefinden. Im Kern geben sie scheinbar erst unserem Leben seinen Wert.
Die Studie zeigt, dass die Ehe gegen die Abnahme der Lebenszufriedenheit scheinbar schützt, die man bei Menschen im Erwachsenenalter normalerweise beobachten kann.

So seien verheiratete Menschen im Durchschnitt glücklicher als sie wären, wenn sie nicht geheiratet hätten. Im Allgemeinen konnte man bei Teilnehmern, die ein vergleichbares Alter hatten und unverheiratet waren, beobachten, dass ihre Zufriedenheit im Laufe der Jahre langsam abnahm. Glück erhalten wir also nicht durch Reichtum oder Besitz, sondern durch Liebe und Freundschaft. Wirkliche Freundschaften sind genauso wichtig für das Wohlbefinden wie eine gut funktionierende Ehe. Wir brauchen gute zwischenmenschliche Beziehungen, jemand der sich um uns kümmert, dem wir wichtig sind und auf den wir uns verlassen können.
Menschen fühlen sich am glücklichsten, wenn sie mit anderen zusammen sind. Liebe, Freundschaft, Geselligkeit, Kameradschaft sind auch im Zeitalter des Individualismus das beste Mittel für Glück. Vor allem ist die Qualität der Freundschaft entscheidend und nicht so sehr, wie viele Freunde man hat. Besonders in schlechten Zeiten zeigt sich, wie wichtig gute Freunde sind.
Menschen mit einem großen aktiven Freundeskreis schätzen sich selbst glücklicher ein. Auch Menschen, die in Vereinen und anderen Gruppen aktiv sind, empfinden eine höhere Lebenszufriedenheit.

Wer etwas dafür tut glücklicher zu werden, der fühlt sich nicht nur subjektiv besser, sondern stärkt sein Immunsystem. Forscher von der University of Maryland School konnten nachweisen, dass die Wände von Blutgefäßen davon profitieren, wenn jemand häufig lacht: Das Innere der Blutgefäße wird durch Gelächter geweitet und dadurch geschmeidig gehalten. Lachen ist also nachweisbar in jedem Fall gesund.
Auch konnte bewiesen werden, dass es einen großen Zusammenhang gibt zwischen Gesundheit und dem eigenen Wohlbefinden beziehungsweise dem Glücksempfinden. Wissenschaftler nehmen daher an, dass die Gesundheit eines Menschen, der zweit wichtigste Einflussfaktor für das individuelle Glückslevel ist.

Auch die Arbeit an sich stellt einen wichtigen Glücksfaktor dar. Ein erfülltes Berufsleben verschafft Anerkennung, stärkt das Selbstbewusstsein und vermittelt das Gefühl, gebraucht zu werden. Eine zufrieden stellende Arbeit zeichnet sich für viele vor allem aus durch Selbstbestimmung, ein gutes Arbeitsklima und ein ausreichendes Gehalt. Natürlich kann Arbeit auch unzufrieden machen, besonders bei Konflikten mit dem Vorgesetzten oder den Kollegen, durch zu viel Stress und zu wenig Zeit für sich und für die Familie.

Wir brauchen aber Arbeit, auch um unser Einkommen zu erwirtschaften. Allerdings weiß der Volksmund schon lange, dass Geld nicht glücklich macht. Ein höheres Einkommen steigert zwar die Lebenszufriedenheit, ab einem bestimmten Betrag allerdings nur noch sehr wenig bis gar nicht mehr. Laut Glücksforscher und Psychiater Mathias Berger vom Uniklinikum Freiburg habe ab einem Pro-Kopf-Einkommen von mehr als 13 900 Euro im Jahr die Einkommenshöhe keinen Einfluss mehr auf das Glücksempfinden. Nur in sehr armen Ländern sei der Einkommenszuwachs ein entscheidender Glücksfaktor.

Die Einstellung macht´s

Ob wir glücklich sind hängt also nicht vom Geld, sondern eher von unserer Persönlichkeit, unserem Charakter, ab. Ausgeglichene Menschen sind widerstandsfähiger und können daher besser mit Rückschlägen umgehen. Außerdem hat der Wissenschaftler Bernd Hornung in seinem Münchner Institut für Glücksforschung herausgefunden, dass extrovertierte Menschen glücklicher seien. Sie finden scheinbar schneller Freunde, fühlen sich wohl in der Menschenmenge und zeichnen sich durch eine offene, neugierige Haltung aus. Das macht sie scheinbar zu zufriedenen und glücklichen Menschen.

Schon der griechische Philosoph Sokrates wies auf den engen Zusammenhang von Glück und Lebensführung hin. Er vertrat die Meinung, dass der Zustand des Glücklich seins durch eine „tugendhafte Lebensführung“ erreicht werden kann. Auch in unserem Jahrhundert sind sich Glücksforscher einig, dass es alleinig auf die eigene Haltung und Einstellung zum Leben ankommt, ob man Glück empfinden kann oder nicht.
Wer etwas dafür tut glücklicher zu werden, fühlt sich nicht nur subjektiv besser, sondern hat auch mehr Energie, stärkt sein Immunsystem und erhöht seine Lebenserwartung.

Somit ist Lebensglück wirklich erlernbar, zwar nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt. Und da glückliche Menschen erfolgreicher, attraktiver und beliebter sind, lohnt es sich, täglich etwas für sein Glück zu tun.

Bildnachweis: Stuart Miles at FreeDigitalPhotos.net

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