Null Selbstwert? Alle zufrieden, nur Sie nicht?

graur codrin at FreeDigitalPhotos.netEs gibt Tage, da bringt uns eine flapsige Kritik so aus der Spur, dass wir gekränkt und hypersensibel reagieren. Wir sind verunsichert und zweifeln an uns. Ist das Selbstwertgefühl angekratzt oder nur mäßig vorhanden, verhagelt es aber nicht nur unsere Stimmung und nimmt uns die Lebensfreude, es stürzt uns nicht selten in eine Persönlichkeitskrise.

Hören Sie auf, sich runterzumachen

Wie ausgeprägt unser Selbstwert ist, ist eine Frage der eigenen Beurteilung, auch wenn das schwer zu verstehen ist. Ein mangelndes Selbstwertgefühl haben wir nicht, weil andere uns das Gefühl geben nichts wert zu sein, sondern weil wir ihnen glauben! Ob wir eine glückliche Beziehung führen, im Job erfolgreich sind oder Herausforderungen annehmen, hängt unmittelbar von unserem Glauben an uns selbst ab. Ein gesundes und stabiles Selbstwertgefühl kann nur von innen heraus kommen. Zu erkennen, dass wir für unser Selbstwertgefühl selbst verantwortlich sind, ist aber meist eine schmerzhafte Sache.

Die Art und Weise, wie wir uns selbst beurteilen, wirkt sich auf unser ganzes Leben aus. Denn ein gesundes Selbstwertgefühl dient uns wie ein innerer Schutzschild. Es gibt uns die Kraft die täglichen Herausforderungen zu bewältigen. Mangelt es uns aber an Selbstwert, können wir auch kein echtes Selbstbewusstsein aufbauen. Wie hoch der Selbstwert eines Menschen ist, hängt in hohem Maße vom Erziehungsverhalten der Eltern ab. Sind die frühkindlichen Erfahrungen positiv und das Kind hat erfahren, dass es geliebt wird so wie es ist, kann sich ein gesundes Selbstwert entwickeln. Wer aber in jungen Jahren ständig kritisiert, abgelehnt, gehänselt oder bloßgestellt wurde, dessen Selbstwertgefühl konnte sich nur gering ausbilden.

Die kritischen Stimmen von wichtigen Bezugspersonen wie Eltern, Großeltern, Geschwistern oder Lehrern werden in der Kindheit ungefiltert übernommen. Zurück bleibt die Überzeugung, dass man so wie man ist, nicht richtig ist. Diese Überzeugung haben auch Erwachsene noch tief in sich ohne es zu wissen. Solche Wunden verheilen nur oberflächlich. Bei Kritik, Misserfolg oder Fehlern brechen sie wieder auf, und das Gefühl „Ich bin nichts wert“ kommt wieder an die Oberfläche.

Haben Sie ein gesundes Selbstwertgefühl?

Menschen mit einem eher geringen Selbstwertgefühl fühlen sich meist in Gruppen unwohl, nicht so richtig zugehörig, sind misstrauisch, häufig wütend, meist gegen sich selbst, und leiden nicht selten an Depressionen oder Angsterkrankungen. Will man andere beeindrucken oder besser sein, zweifelt man an seinem Wert. Macht man andere Menschen klein, tut man das, um sich selbst aufzuwerten und weil man an die eigenen Größe nicht glaubt. Und wenn man andere Menschen herabsetzt um sich selbst aufzuwerten, dann mangelt es auf jeden Fall an einem guten Selbstwert.

Machen Sie sich nicht von anderen abhängig

Viele Menschen denken, sie könnten ihr Selbstwertgefühl stärken durch die Anerkennung von anderen und verwechseln es mit einem Pseudo-Selbstwertgefühl, das nur unser Ego streichelt. Mit der Zeit wird man dann aber in zunehmendem Maße abhängig von derartigen Bestätigungen von außen. Dahinter steckt nicht selten auch die Angst vor Ablehnung. Wir wollen mithalten und gemocht werden. Ein Selbstwertgefühl, das von der Beurteilung andere abhängig ist, ist aber sehr leicht zu erschüttern.

Natürlich entscheidet jeder selbst, worüber er sich definiert. Fatal wäre aber auch, das fehlende Selbstwertgefühl durch Erfolg im Job aufwerten zu wollen. Aus einer Jobkrise wird dann schnell eine Lebenskrise. Je mehr wir den Beruf zur Selbstverwirklichung nutzen, desto abhängiger machen wir uns von nicht kalkulierbaren Risiken: kein Job = kein Selbstwert. Ihr Selbstwertgefühl sollte von innen herauskommen und nicht davon abhängig sein, im Vergleich mit anderen besser abzuschneiden.

Bauen Sie lieber Ihr Selbstbild auf

Wir können unser Selbstbild verbessern, indem wir Mitgefühl mit uns selbst haben. Das heißt, dass wir uns erst einmal selbst akzeptieren sollten so wie wir sind, mit all unseren Fehlern. Und unsere Erwartungen an uns auf ein normales Maß regulieren. Und hören Sie auf sich ständig mit anderen zu vergleichen. Es gibt immer Menschen, die hübscher, besser oder intelligenter sind. Und hören Sie auf, sich in Gedanken klein zu machen: „Ich bin schlecht“, „ich kann das nicht“, „ich tauge nichts“. Mit diesen inneren Vorwürfen werten Sie sich nur ab. Die einzige Person, an der Sie sich messen sollten, sind Sie selbst.

Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Chef, Ihr Partner, Ihre Freunde ebenfalls Fehler und Schwächen haben. Und vergeben Sie sich, wenn Sie einen Fehler machen. Rufen Sie sich lieber Ihre Stärken und Vorzüge ins Gedächtnis und haben Sie Verständnis für Ihre „Unzulänglichkeiten“.
Schauen Sie auf das, was Sie können. Erinnern Sie sich an Ihre Erfolge, vergegenwärtigen Sie sich ganz konkrete Situationen, in denen Sie stolz auf sich waren oder in denen Sie gelobt wurden.

Und besänftigen Sie Ihren inneren Kritiker. Jedes Mal, wenn Sie merken, dass Sie sich beschimpfen oder als Versager fühlen, trösten Sie sich so, wie Sie es bei einem guten Freund tun würden. Belohnen Sie sich, wenn etwas gut geklappt hat. Es kann hilfreich sein, ein Erfolgstagebuch zu führen, in dem Sie täglich ein paar Notizen darüber machen, was gut gelaufen ist und wie Sie sich dabei gefühlt haben. Das schult, seine eigenen Bedürfnisse besser kennen zu lernen und sein eigenes Können mehr wertzuschätzen. Seien Sie stolz auf sich, denn dieses Gefühl setzt ungeahnte Kräfte frei und stärkt das Selbstbewusstsein augenblicklich und nachhaltig. Suchen Sie sich beispielsweise täglich eine kleine Herausforderung, die sich meistern lässt und dann sagen Sie sich: „Toll gemacht, ich bin stolz auf mich“. Überlegen Sie sich ganz konkret, was Sie tun können und machen es.

Seinen Selbstwert zu steigern ist ein Lebensweg und muss jeden Tag gelebt und geübt werden. Wenn wir lernen, so über uns selbst zu denken, wie wir gerne hätten, dass andere über uns denken und wenn wir uns so behandeln, wie wir von anderen behandelt werden möchten, dann sind wir auf einem guten Weg.

Bildnachweis: graur codrin at FreeDigitalPhotos.net

Ein Kommentar für “Null Selbstwert? Alle zufrieden, nur Sie nicht?

  1. Ich beschimpf auch eher mich als andere, hat mich schon länger gestört, aber so blöde eingefahrene Dinge lassen sich nicht so einfach ändern.
    Aber deinen Satz, dass man sich selbst so behandeln soll, wie wir freundlich mit anderen umgehen, hat mich zum Denken angeregt. Der stimmt nämlich wirklich, ich würde andere nie so beschimpfen.
    Bemühe mich jetzt, das mal so umzusetzen.
    Danke für den anregenden Tipp. Markus

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