Resilienz: das Immunsystem der Seele

adamr at FreeDigitalPhotos.netEinige Menschen haben Nerven wie Drahtseile, andere lassen sich schon von einer schlecht sitzenden Frisur aus der Ruhe bringen. Woran liegt es, dass Menschen in schwierigen Situationen total unterschiedlich reagieren? Forscher schreiben das einer guten seelischen Widerstandskraft zu. Und die lässt sich zum Glück trainieren.

Fast jeder Mensch erleidet im Laufe seines Lebens verschiedene Krisen. Sei es eine Trennung, eine schwere Erkrankung, den Tod des Partners oder den Verlust des Arbeitsplatzes. Manche trifft es so schwer, dass sie die Hoffnung verlieren und an der Belastung fast zerbrechen. Sie fühlen sich ohnmächtig, der Situation hilflos ausgeliefert. Nicht selten entwickelt sich daraus eine Depression oder Angststörung.
Es gibt allerdings auch Menschen, die Schicksalsschläge besser wegstecken können. Die zwar genauso leiden, dann aber aus eigener Kraft wieder zurück in ein glückliches Leben finden.

Was ist es also, das uns unempfindlicher geben Lebenskrisen macht?

Das scheint an einer ausgeprägten psychischen Widerstandskraft zu liegen, Wissenschaftler sprechen hier von einer Resilienz. Das lateinische Wort „resilire“ bedeutet übersetzt so viel wie „zurückspringen“, „abprallen“. Das heißt, ein Mensch mit einer gut ausgeprägten Resilienz ist in der Lage, sich von traumatischen Erlebnissen relativ schnell zu erholen, sie quasi an sich abprallen zu lassen.
Resiliente Menschen weisen meist eine optimistische Lebenseinstellung auf und leben in dem Bewusstsein, dass Krisen keine unüberwindbaren Hürden sind. Sie kommen schneller aus der Opferrolle heraus und fokussieren sich auf mögliche Lösungen. Aufgrund eines gesunden Selbstwertgefühls bewältigen sie Schicksalsschläge besser und wachsen daran scheinbar noch.
Es geht aber nicht darum, Probleme zu verdrängen oder Leid zu verleugnen, sondern es geht um Zuversicht, Hoffnung und den festen Glauben an sich selbst.

So können Sie Ihre Resilienz erhöhen

Unter Resilienz versteht man also die Fähigkeit, leichter mit belastenden Lebensumständen umzugehen. Die Grundlagen dafür werden in der frühen Kindheit gelegt. Wer als Kind Wertschätzung und Ermutigung erfahren hat, ist als Erwachsener psychisch widerstandsfähiger. Diese Widerstandskraft ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich stark ausgeprägt. Verantwortlich dafür sind die unterschiedlichen Risilienz-Faktoren wie Selbstvertrauen, Optimismus, Akzeptanz und ein gutes soziales Netzwerk. Womit aber nicht die Likes bei Facebook und Co. gemeint sind, sondern ein stabiles Umfeld, auf das man im Notfall zurückgreifen kann.

Selbst wenn man nicht mit einer optimistischen Lebenseinstellung auf die Welt gekommen ist, kann man seine Widerstandskraft auch im Erwachsenenalter noch trainieren. Ähnlich wie wir unser körpereigenes Immunsystem stärken können, so können wir auch die einzelnen Faktoren der Resilienz bewusst kräftigen.

Das Vertrauen in sich selbst spielt dabei eine ganz entscheidende Rolle. Resiliente Menschen wissen, dass sie dank ihrer inneren Stärke einen Weg aus der Krise finden können. Sie suchen die Fehler weniger bei anderen, sondern schauen, welchen Anteil sie an der aktuellen Situation haben und wie sie sie lösen können. Anstatt „ich kann nicht“ sagen resiliente Menschen „ich versuche es“. Damit verlassen sie die Opferrolle und übernehmen Verantwortung für das eigene Leben. Denn solange man in der Opferrolle verharrt, macht man sich klein und die Probleme bleiben groß. Auch eine optimistische Grundhaltung trägt zu einer Erhöhung der Resilienz bei. Optimisten lenken Ihre Aufmerksamkeit auf die Zukunft, anstatt auf die Vergangenheit und verwenden ihre Energie dazu, Lösungen zu finden. Ob man etwas als Problem oder als Chance wahrnimmt, ist lediglich das Ergebnis der eigenen Denkweise. Wer über Probleme nur grübelt und sich immer wieder fragt „Warum musste mir das passieren?“, denkt nur rückwärtsgerichtet und wird schwerlich eine Antwort finden. Wer seine Probleme lösen will, sollte sein Denken, Reden und Handeln stets nach vorne, auf mögliche Lösungen ausrichten.
Außerdem wissen resiliente Menschen, dass sie ihr Leben selbst gestalten können. Sie planen ihre Zukunft, setzen sich für ihre Wünsche und Pläne ein in dem festen Glauben, das eigene Leben meistern zu können. Ein positiver Blick auf die Welt macht innerlich stark. Eine weitere wichtige Fähigkeit ist die Akzeptanz. Resiliente Menschen akzeptieren Veränderungen, statt dagegen anzukämpfen. Sie wissen, dass zu jeder Krise auch unangenehme Gefühle wie Ärger, Wut oder Trauer gehören. Sie akzeptieren das Unvermeidbare und schaffen es scheinbar, ihm noch einen Sinn zu geben. Wir alle kennen Menschen, die im Nachhinein sagen, die Krise hätte ihnen einen neuen Weg aufgezeigt.
Auch nach unerträglich erscheinenden Schicksalsschlägen wie Gewalterfahrungen, Kriegserlebnissen oder den Tod eines Nahestehenden, sind resiliente Menschen in der Lage, die negativen Auswirkungen abzumildern. Sie verdrängen den Schmerz nicht, richten ihre Aufmerksamkeit dann aber wieder bewusst hin zu etwas Positivem. Resilientes Verhalten zeigt ein Mensch nicht trotz extremer Erfahrungen, sondern wegen dieser. Auch wenn wir es im Moment der akuten Krise nicht erkennen, manchmal hilft sie zu erkennen, was uns wirklich wichtig im Leben ist. In Krisenzeiten hilft auch ein gut funktionierendes soziales Netzwerk. Starker Rückhalt in der Familie und gute Freunde helfen eine resiliente Persönlichkeit zu entwickeln. Dabei reicht alleine schon die Aussicht, dass das soziale Umfeld Hilfe leisten kann um die Widerstandsfähigkeit zu stärken. Menschen mit einem starken Netzwerk wissen, egal was passiert, es gibt immer Freunde die zu ihnen stehen.

Alle sieben Faktoren sind für eine ausgeprägte seelische Widerstandskraft von gleich großer Bedeutung. Nur wenn alle gleichermaßen trainiert und in den aktiven Lernprozess des Umdenkens eingebunden werden, ist Resilienz mehr als Anpassung an widrige Umstände. Sieht man in einer Krise also bewusst eine Chance, um als Mensch daran zu wachsen, ist das nicht länger nur eine Floskel, sondern eine gesunde Überlebensstrategie.

Bildnachweis: adamr at FreeDigitalPhotos.net

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