Spiritualität: Nur ein esoterisches Hobby?

Danilo Rizzuti at FreeDigitalPhotos.netIch treffe immer wieder auf Menschen, die ihre spirituelle Seite nur am Wochenende ausleben. Man sieht sie auf Messen, Retreats oder Workshops, mit allerlei Talismane, Federn und Amuletten geschmückt. Und am Montag gehen sie wieder brav gekleidet in ihre Büros.

Kann man sein Leben in spirituelle und nicht spirituelle Bereiche aufteilen? Den Berufsalltag ausklammern, sich quasi eine spirituelle Parallelwelt erschaffen

Was bedeutet Spiritualität eigentlich?

Es gibt scheinbar viele Formen sich spirituell auszudrücken. Esoterische Ratgeber werden gelesen, Selbstfindungskurse gebucht, es gibt vielfältige Möglichkeiten sich auf den „spirituellen Weg“ zu machen. Manche meditieren, andere beten und einige channeln Engel oder befragen Karten. Wenn Pendeln und Co. für jemanden dazugehört, dann ist das so. Es wird nur gefährlich, wenn sich jemand davon abhängig macht und vor jeder Entscheidung die Karten befragt.

So unterschiedlich die Auffassungen sind, so diffus sind daher auch die Antworten auf die Frage, was Spiritualität bedeutet. Der Begriff Spiritualität besagt nur, dass es sich um eine geistlich ausgerichtete Haltung handelt. Also eine geistige Orientierung und Lebenseinstellung. Spirituell zu sein heißt, sich mit geistigen Werten zu befassen und sein Denken und Handeln danach auszurichten. Mit dem Herzen sehen und ein Bewusstsein entwickeln, für sich, andere und der Welt gegenüber. Weg vom Materiellen, hin zu Transzendentem.

Spiritualität  bedeutet auch, sich die existentiellen Fragen zu stellen und Antworten darauf zu suchen.

  • Was ist der Sinn des Lebens?
  • Wer bin ich?  Woher komme ich und wohin gehe ich?
  • Wozu bin ich da? Habe ich hier eine Aufgabe, der ich mich stellen muss?
  • Was kann ich beitragen? Handel ich richtig?

Spiritualität ist kein Teilzeit-Job

Der spirituelle Weg ist kein Spaziergang und bestimmt nichts, was man mal eben so nebenbei macht. Eine spirituelle Entwicklung kann nicht nur nach Feierabend oder am Wochenende stattfinden. Denn wahre Spiritualität erfasst den Menschen mit seinem kompletten Dasein inklusiver aller Lebensbereiche. Wird das nicht wirklich gefühlt, handelt es sich wahrscheinlich eher um ein esoterisches Hobby, um ein bisschen Übersinnliches in den Alltag zu bringen.

Wer den spirituellen Weg eingeschlagen hat, der wird nicht mehr trennen zwischen Privatleben und Beruf. Das ist dann meist der Wendepunkt, an dem man begreift, dass es kein entweder oder mehr gibt. Irgendwann hört man dann auch auf zu fragen: „Warum habe ich mir das nur aufgehalst? Ein Weg ohne Erkenntnis wäre doch so viel leichter.“ Denn man erkennt meist schnell, dass das nur ein Trugschluss ist. Denn all die Stolpersteine, Arschengel und Blockaden sind die wahren Geschenke des Lebens. An ihnen kann man wachsen. Ein spiritueller Mensch lebt, worüber er redet. Denn er weiß, dass Wissen umgesetzt werden muss, sonst bleibt es nur entseelte, geistlose Theorie.

Spiritualität zu leben bedeutet, sich immer mehr über den geistigen Hintergrund der Dinge und der Welt bewusst zu werden. Und  sich selbst und das eigene Handeln immer wieder kritisch zu hinterfragen. Die eigenen dunklen Schatten sehen und bereit sein, daran zu arbeiten.

Für mich bedeutet Spiritualität, die Besinnung auf das Wesentliche, Gelassenheit, Bescheidenheit, Dankbarkeit, Freude an den kleinen Dingen. Auch mal Anspruchslosigkeit oder Verzicht. Es ist ein Weg nach innen,  weg von egoistischen Impulsen, hin zu innerem Frieden. Mich nicht wichtiger zu nehmen als andere und zu wissen, dass ich auch nicht mehr weiß oder besser weiß, als andere. Ich will mein Leben mit Leben füllen und es besser verstehen. Weg von Oberflächlichkeit, hin zu mehr Tiefe. Spiritualität ist für mich etwas Welt zugewandtes, etwas dynamisches, das mich weiterbringt, in meiner eigenen Entwicklung.

Ob jemand ein Retreat, einen Kristall oder etwas anderes braucht, jeder muss seinem Herzen folgen. Denn welcher Weg uns schließlich nach Innen führt ist doch unwichtig, Hauptsache er führt uns zur eigenen Be-SINN-ung.

Bildnachweis: Danilo Rizzuti at FreeDigitalPhotos.net

3 Kommentare für “Spiritualität: Nur ein esoterisches Hobby?

  1. Sehr gute Gedanken!
    Spiritualität muss nach meiner Haltung eigentlich gar nicht als solches beannt werden. Spirituatilität ist die Grundlage des Lebens, sie ist immer und überall gegenwärtig, wir können uns gar nicht davon trennen. Mit Achtsamkeit und Liebe das Leben leben, das ist die größte Herausforderung, und alles, was wir brauchen.

  2. Danke für diesen klaren Artikel! Ja, die Trennung der Lebensbereiche wird nicht funktionieren. Ich finde es durchaus legitim, so anzufangen und dann selbst zu merken, dass es nicht reicht, sich ab und zu mal zu besinnen, wenn man grade Zeit und Lust hat … „Kopfüber ins Leben“ finde ich übrigens einen klasse Titel!

    • Danke Fjodor,
      für deinen Kommentar und dein tolles Kompliment. Spiritualität in sein Leben zu lassen, ist schon ein großer wichtiger Schritt und es lohnt so, ihn auch weiterzugehen.
      Alles Liebe für dich
      Gruß Monika

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