Warum herablassendes Verhalten mehr als nur unhöflich ist

Ich gehe gerne ins Café, genieße einen Cappuccino und hänge so meinen Gedanken nach. Aber in letzter Zeit reißt mich immer öfter der rüder Umgangston dem Bedienpersonal gegenüber aus meinen Träumen.  Dabei sind sie so freundlich wie immer. Was veranlasst Menschen nur zu diesem harschen Ton?

Es wird kommandiert, beschimpft und gepöbelt  Erschreckend, wie herablassend und respektlos manche Menschen Kellnerinnen behandeln. Das ist  mehr als nur unhöfliches Verhalten. Solche Kunden zeigen überdeutlich, dass sie sich der „dummen Kellnerin“ überlegen fühlen. Kommt dann noch Alkohol mit ins Spiel, verlieren manche Gäste scheinbar alle Hemmungen. Die Bemerkungen werden anzüglicher, es wird schamlos gegrapscht und ganz ungeniert zugepackt.

Wer selbstbewusst ist braucht nicht zu pöbeln

Es mag vielleicht paradox erscheinen, aber die Ursache für dieses überhebliche und herablassende Verhalten ist meist mangelndes Selbstbewusstsein. Mit dieser übertrieben selbstbewusst wirkenden Erscheinung wird die  eigene Unsicherheit und Unfähigkeit kompensiert. Dadurch, dass sie andere niedermachen oder auf sie herabblicken, versuchen sie sich selbst aufzuwerten.

Muss sich jemand  anderen gegenüber überlegen fühlen, bedeutet das, dass er mit sich selbst unzufrieden ist. Mit dieser Art sagt er eigentlich  „Ich fühle mich als Verlierer und je schlechter ich dich behandle, umso besser geht es mir.“

Selbstbewusste Menschen sind hilfreicher und empathischer

Bücher darüber, wie man Selbstbewusstsein stärken, trainieren oder üben soll, gibt es zuhauf. All die Tipps sind meistens gut gemeint: „Man soll sich auf seine Stärken konzentrieren, sich akzeptieren, wie man ist, Grenzen setzen…“

Das ist natürlich alles richtig, nur reicht das längst nicht aus. Hilfreicher wäre zu erkennen, was das eigene Selbstbewusstsein schwächt. Denn niemand ist immer und in allen Situationen selbstbewusst. Deshalb ist es wichtig  zu erkennen, wo man sich selbst sabotiert. Meist sind es negative Gedanken wie: „Ich bin nicht gut genug“,„Ich kann es eben nicht“, oder „Ich werde wie immer jämmerlich versagen“.
Meist ist man sich dieser Gedanken gar nicht bewusst, denn sie schlummern tief in unserem Unterbewusstsein, und das meist schon sehr lange. Denn die ersten Glaubenssätze bilden sich schon in der Kindheit. Unbedacht ausgesprochene Sätze der Eltern wie: „Das kannst du nicht“ oder „Ich bin enttäuscht von dir“, wirken nachhaltig und kraftvoll, auch wenn wir uns ihrer gar nicht bewusst sind. Im Kindergarten wurden wir vielleicht gehänselt, das Schamgefühl haben wir tief weggepackt, in der Schule lief wahrscheinlich auch nicht alles gut, was sich in einer Schicht Wut ausdrückt. Der erste Liebeskummer fügt noch eine Schicht Schmerz hinzu. Im Laufe eines Lebens kommen da einige verdrängte Gefühls-Schichten zusammen. Und all das bestimmt unser Denken und Fühlen und damit unser Tun und Handeln.

Vor allem das ständiges Gefühl nicht gut genug zu sein, löst Schmerz aus. Vielleicht einen, der zunächst unter der Oberfläche schlummert, der aber durchaus spürbar ist. Und diesen Schmerz versuchen die Betroffene zu überspielen, in dem sie andere Menschen demütigen. Denn nur so können sie sich selbst aufwerten.

Wie kommt man  den Saboteuren denn jetzt auf die Schliche?

Da hilft nur ein Blick hinter die Fassade. Denn wir müssen den verdrängten Glaubenssätzen aus der Vergangenheit auf die Schliche kommen und die alten Verhaltensmuster durchbrechen. Davor scheuen die meisten Menschen zurück, denn die damit verbundenen Gefühle wie Wertlosigkeit, Scham, Ohnmacht, Wut und Angst können unangenehm und schmerzlich sein. Aber Veränderung klappt nur über das Gefühl.
Nur wer sich wagt, kann erkennen, dass man als Erwachsener seine Stärken und Schwächen selbst kontrolliert. Dann kann man auch in Augenblicken, in denen das eigene Selbstbewusstsein nicht ganz so stabil ist, cool bleiben, auch wenn jemand einen Fehler gemacht hat. Ein bisschen Freundlichkeit sollte doch wirklich immer drin sein.

An alle Dienstleister – ein großes DANKESCHÖN für all die tolle Arbeit!

2 Comments on “Warum herablassendes Verhalten mehr als nur unhöflich ist

  1. Vielen Dank für diesen tollen Beitrag! Wer sich den Gedanken der Vergangenheit nicht stellt… das ist ein sehr wichtiger Schlüssel zur Bewusstwerdung und Eigenverantwortung.

    LG
    Saijin

    • Hallo Saijin,
      ja, du hast so recht. Die Bewusstwerdung ist kein leichter Weg, aber einer, der sich immer lohnt.

      Alles Gute für dich und
      liebe Grüße
      Monika

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